Montag, 30. Mai 2016

[Zu Besuch in Sophies Bücherecke] Interview mit Helen Maslin - deutsche Übersetzung

Hallo ihr Lieben,
ich hatte das große Glück Helen Maslin ("Darkmere Summer") auf der Buchmesse interviewen zu dürfen.



Es tut mir sehr leid, dass ihr so lange auf das Interview warten musstet, aber die Uni hat mir kaum Zeit gelassen um irgendwas anderes zu machen - trankripieren und übersetzen des Interviews inklusive.

Begleitet wurde das Interview von der lieben Anja Kemmerzell und wir drei hatten einen Heidenspaß. Es war so lustig, dass das Interview irgendwann in eine Unterhaltung abgerutscht ist.
Liebe Helen, liebe Anja, liebes Chicken House Team: Danke für diese einmalige Gelegenheit. Es war definitiv mein Messehighlight.

Aber hier kommt nun das übersetzte Interview. Für alle, die lieber die engslische Originalfassung lesen wollen: diese wird in den nächsten Tagen folgen.
_________________________________________________

 (Achtung! Potenzielle Spoiler!)

Sophie: Lass uns gleich loslegen.


Helen: Das machen wir.


S: Seit wann wolltest du Autorin werden?


H: Oh schon immer. Wann hast du entschieden, dass du bloggen willst?


S: Nachdem ich meine Lieblingsautorin getroffen haben. Ich wollte meine Liebe einfach teilen.


H: Das ist natürlich ein Grund. Wenn ich euch fühlen lassen kann, was ich gefühlt habe, als ich meine Lieblingsautoren gelesen habe.
Ich habe aber erst ernsthaft mit Schreiben angefangen als ich Kinder hatte. Ich wollte, dass sie stolz auf mich sein können.


S: Das ist süß.


H: Das ist kitschig.


S: Sind sie stolz auf dich?


H: Das Buch ist etwas zu erwachsen für sie, aber sie denken, dass ich wie JK Rowling bin.


S: Wie cool. Ich habe gehört, dass du die Kunst AG an der Schule deiner Söhne leitest?


H: Nun ja, ich habe wenig Kontrolle über das, was da passiert. Es ist viel Aufräumen. Zehnjährige sind schlimm. Es kann entweder gut oder auch schlecht ausgehen.


S: Aber es macht dir doch sicher Spaß, oder?


H: Natürlich. Es ist eine Ablenkung von dem Warten, dass sich Agenten und Verleger endlich zurückmelden.


S: Es ist bestimmt auch schön, einfach mal was Anderes tun zu können.


H: Ja, ich kann viel unordentlicher sein und es muss nicht perfekt sein.


S: Was hast du gemacht, bevor du mit dem Schreiben angefangen hast?


H: Ich habe viel Zeit damit verbracht auf meine Kinder aufzupassen. Davor … nicht viel, wirklich. Verschiedene Sachen. Ich war auf der Suche. Ich war Optikerin für eine Weile. Und da ich Geschichte mag, habe ich in einem Antiquitätenladen gearbeitet.


S: Dann muss das ja jetzt der wahrgewordene Traum sein.


H: Ich kann es immer noch nicht glauben. Es fühlt sich an, als würde es jemand anderem wiederfahren.


S: Wie findest du das Originalcover und was hältst du von dem deutschen?


H: Immer wenn mir Leute sagen, dass sie das Originalcover mögen, dass sage ich „Du solltest mal das deutsche sehen!“ In Echt sieht es noch viel besser aus. Es schimmert so schön. So habe ich mir das Cover mehr oder weniger vorgestellt. Aber selbst wenn das Cover fürchterlich wäre, ich wäre immer noch den Tränen nah. Es reicht seinen eigenen Namen auf dem Cover zu sehen. Es ist einfach wundervoll.


S: Du hast etwas erschaffen und jetzt kannst du es in deinen eigenen Händen halten.


H: Ja ich habe das erschaffen. (Sieht zu Anja Kemmerzell.) Nun gut, ihr habt geholfen.


S: Im Buch kommen viele verschiedene Genre zum Vorschein. Ich finde es sehr schwer diese festzulegen. Das Buch hat historische Aspekte, es hat Romantik, aber auch leichte Gruselelemente.


H: Das ist immer die erste Frage an mich: „Worum geht es in deinem Buch?“ Es beinhaltet alles, was ich als Jugendliche gerne selbst gelesen habe. Es sollte viel romantischer werden, aber dann hat mir das Gruselzeug viel zu viel Spaß gemacht. Und natürlich die Gefahr, die Dunkelheit. Ich mag aber auch Witze. Ich habe versucht alles hereinzupacken. Am Ende ist es aber eine Geistergeschichte, mehr als alles andere.


S: Das sehe ich auch so, denn das, was Elinor hat, das ist ja eigentlich keine Liebe.


H: Nun ja, das war ein lieber Junge. Das hätte sie eher erkennen müssen. Aber sie wollte Gefahr und Aufregung.


S: Ja, wenn du dich für den ersten Herren entschieden hättest, dann wäre es ein Liebesroman geworden.


H: Aber es sieht ja nie jemand was direkt vor einem ist. Da ist dieser eine Junge mit dem man aufgewachsen ist, das erscheint langweilig. Eine der anderen Blogger hat gesagt, dass sie die Bad Boys besonders mag. Obwohl man weiß, dass sie nicht gut für einen sind. Aber in der Vergangenheit musste man sie dennoch heiraten. Und auch heute noch gibt es genug Geschichten, in denen Mädchen sehr jung in arrangierte Ehen verheiratet werden. Das ist einfach schrecklich. Und wenn ich nur daran denke, dass auch hier vor nicht allzu langer Zeit die Mädchen wie Vieh verkauft wurden sind, dann fange ich an mitzufühlen. Ich bin froh, dass es heute nicht mehr so ist. Zumindest nicht hier in Europa.


S: Hast du in diesem Bereich denn dann besonders recherchiert?


H: Ich würde nicht sagen recherchiert. Es beinhaltet einfach alles, was ich mag. Ich mag historische Dinge. Aber es sollte einfach nicht wie eine Geschichtsstunde klingen. Nach dem Motto „Ich habe dies und das gelernt.“ In manchen Büchern tut es das. Ich wollte mehr das Gefühl der Vergangenheit rüberbringen. Das erzählen, was richtig und falsch ist. Ob mir das gelungen ist, müsst ihr entscheiden, nehme ich an.


S: Woran arbeitest du momentan? Geht es in eine ähnliche Richtung oder wird es komplett anders als „Darkmere“ werden?


H: Ich hoffe, dass es etwas anders wird. Manche Autoren schreiben immer nur das gleiche Buch noch einmal neu.  Das möchte ich nicht. Meine Lieblingsautoren schreiben immer irgendwas Anderes. Im Moment arbeite ich an einem Buch, dass die Französische Revolution im Mittelpunkt hat. Es ist also ein anderes Land und vielleicht wird die Guillotine vorkommen. Naja, ich mag halt die Gefahr. Wir werden sehen was passiert.


S: Also wird es wieder ein historischer Roman?


H: Ja, ich mag das. Gruselige alte Schlösser.


S: Das gefällt mir gut. Du bleibst bei dem was dir liegt, aber machst dennoch was ganz anderes draus.


H: Das hoffe ich.


S: Du hast von deinen Vorbildern gesprochen. Was sind denn deine Lieblingsautoren?


H: Daphne du Maurier war meine Lieblingsautorin in der Schule.


S: Ahh, Rebecca. (Ja ich mag Rebecca sehr gerne.)


H: Es ist einfach ein Klassiker. Aber auch die Bronte Schwestern und Jane Austen gehören dazu. Heute lese ich meistens Young Adult. Und die meisten Autoren unterstützen sich gegenseitig, genauso wie Blogger das tun. Ich glaube auch, dass ich Neil Gaiman heute sehr oft erwähnt habe. Ich wäre gerne Neil Gaiman.


S: Er ist schon ziemlich cool.


H: Er ist ein Schriftsteller, aber er ist sehr cool. Er ist mit einem Rockstar verheiratet. Und er kann alles schreiben: Kinderbücher, alte Bücher, Graphic Novels, eine Doctor Who Folge.


S: Er scheint sich sehr von anderen Autoren zu unterscheiden, aber er wirkt dabei immer echt.


H: Und seine Texte lesen sich leicht. Ich habe das Gefühl als hätte er großen Spaß beim Schreiben. Das Gefühl möchte ich auch vermitteln.


S: Also ich hatte das Gefühl auf alle Fälle. So wie die zwei Zeitebenen zusammenführen fühlt sich das alles wie ein großes Puzzle an. Wo hast du denn deine Ideen für Darkmere her? Gibt es einen speziellen Zeitpunkt?


H: Als wir Watermouth Castle in Devon besucht haben. Darauf basiert Darkmere. Wir waren dort schon mehrere Male. Es hat Tunnel und Verliese und liegt am Meer. Es ist wirklich bezaubernd. Man ist zwar in einem Schloss, aber es ist auch gruselig. Ich habe die ganze Zeit immer nur denken müssen „Wer hat hier schon gelebt? Wer hat es gebaut?“ Und dann habe ich einfach entschieden, dass ich mir meine eigene Geschichte dazu ausdenke.


S: Was interessiert dich denn mehr, die verfluchten Häuser oder die Geistergeschichten?


H: Ich kann eigentlich gar nicht gut mit Horror umgehen, aber ich schreibe gerne darüber. Man kann sich einfach nicht selbst erschrecken.


S: Ich fand, dass dein Buch gerade genug Gänsehaut hervorrief, nicht zu viel und nicht zu wenig.


H: Das freut mich.


S: Wenn du das Schloss zu einer der beiden Zeitebenen besuchen könntest, welche wäre es?


H: Die Moderne, denke ich. Man kann einfach herumlaufen und alle Hinweise kombinieren und sich ausmalen, wie es wohl mal war. Die Vergangenheit wäre mir einfach zu neu.


S: Allein?

(Alle lachen.)


H: Kommt ihr denn mit mir? Wir könnten ein Team zusammenstellen.


S: Und dann sitzen wir alle wahrscheinlich im Hof und weinen.


H: Aber genau darum wollte ich eine Gruppe haben. Es ist schwieriger eine Gruppe zu erschrecken, als einen einzelnen. Aber dann werden sie getrennt und alles fällt in sich zusammen. Vielleicht hätten sie den Fluch etwas mehr respektieren sollen.


S: Mir persönlich gefallen die Mädchen am Besten. Ich halte sie für starke Persönlichkeiten. Hattest du denn eine Lieblingsperson beim Schreiben?


H: Naja, sie basieren natürlich alle auf mir. Aber wahrscheinlich ist mir Kate am ähnlichsten, sie ist etwas muffliger. Aber meisten Spaß beim Schreiben hatte ich bei den Bösewichten.


S: Also bekommen wir dann auch im nächsten Buch wieder tolle Bösewichte.


H: Das hoffe ich. Ich versuche es auf alle Fälle.


S: Hast du eine Lieblingsstelle?


H: Wenn jeder es genießen soll, dann musst du als Autor versuchen jede Szene zu einer Lieblingsszene zu machen. Aber für mich sind es die kleinen Sätze und Szenen. Vielleicht der Strand oder die Schlossbeschreibungen.


S: Für mich ist immer die Charaktertiefe das Wichtigste. Deine Figuren hatten Tiefgang.


H: Ich wollte, dass sie sich entwickeln. Als Teenager wird erst sichtbar, wer man überhaupt ist.


S: Ich mag Elenors Entwicklung. Sie wird diese starke, mutige Frau.


H: Auch wenn ich Happy Endings mag, so fand ich es wichtiger, dass sie sich selbst findet. Wichtiger, als den Mann zu bekommen.


S: Und am Ende kommt dann alles zusammen, aber es gibt immer noch einige Dinge, die im Dunkeln liegen. Das gefällt mir. Das große Ganze wurde aufgelöst, aber gewisse kleine Dinge sind ungewiss.


H: Genau das wollte ich. Die Teenager untern den Lesern haben auch kein Problem damit sich ihr eigenes Ende zu Recht zu basteln. Und im geschichtlichen Kontext kann man einfach nicht hundertprozentig herausfinden, was passiert ist. Und wenn schon die Schwester nicht herausgefunden hat was passiert ist, woher sollte ich es dann wissen?


S: Mir hat es gut gefallen, dass die Schwester bekam, was sie verdient hat.


H: Was? Echt? Ich dachte, dass sie Gründe für ihr Handeln hatte. Sie hat immerhin alles verloren.


S: Auch wenn ich nur einen Bruder habe, so etwas würde ich nie tun und mein Geschwisterkind derart verletzen. Aber es passt wohl in die Zeit und es ja war ja auch sehr unterhaltsam.


H: Ich hatte einfach so viel Spaß es zu schreiben. Ich bin so nett im realen Leben, vielleicht musste das einfach raus.


S: Ist die Geschichte um Darkmere damit abgeschlossen? Gehst du nochmal dorthin zurück?


H: Eher nicht. Ich habe Menschen getötet!




Zum Schluss wollte ich noch ein paar kurze This or That (Dies oder Das) Fragen beantwortet haben, doch bevor wir dazu übergehen konnten, hatte wir noch eine lange Diskussion über Chips oder generell darüber wie Britisch sie ist.


S: Print oder eBook?


H: Gedruckt, besonders meins. Aber auf Reisen will ich meinen Kindle nicht missen.


S: Schreiben oder Lesen?


H: Du kannst mich nicht dazu zwingen mich zu entscheiden. Wahrscheinlich lesen. Ich würde nicht schreiben, wenn ich nicht lesen könnte.
Du liest und schreibst dann darüber. Entscheide du dich!)
(Helen, Anja und ich haben dann einstimmig entschieden, dass wir alle nicht das machen würden, was wir eben so machen, wenn wir nicht zuerst lesen würden und es lieben würden!)


S: Tee oder Kaffee?


H: Kaffee, total. Ich hasse Tee, auch wenn es nicht sehr englisch von mir ist. Dafür esse ich die Chips, aber Tee ist eklig.


S: Stille oder Hintergrundgeräusche?


H: Stimme.  Aber ich lebe in der Nähe einer Schule und bin an diesen Lärm gewöhnt. Aber spielende Kinder sind auch ein fröhliches Geräusch. Ich würde so gerne Musik hören können und Playlists dazu machen, aber das kann ich nicht.


S: Harry Potter oder Herr der Ringe?


H: Ohne Frage: Harry Potter.