Samstag, 26. Mai 2018

[Rezension] Hummeln fliegen auch bei Regen - Andrea Kraft




Hannah ist 35 und weiß, wie es sich anfühlt den Halt zu verlieren. Hannah ist depressiv. Manchmal lähmt sie eine Panikattacke so sehr, dass sie es kaum schafft, die Entfernung vom Bett zum Bad zurückzulegen. Als Hannah ihr altes Tagebuch findet, dem sie einst Träume anvertraute, begreift sie, dass es an der Zeit ist, sie endlich in die Tat umzusetzen und ihren eigenen Weg zu finden. Aufrüttelnd ehrlich, nicht verharmlosend und dennoch optimistisch erzählt Andrea Kraft, die selbst an Depressionen litt, von Verzweiflung, Kopfschmerz-Tagen und Niedergeschlagenheit, aber auch von Momenten stillen Glücks und Zuversicht. Zugleich macht dieser Roman Betroffenen Hoffnung, einen lebensbejahenden Umgang mit dieser Krankheit zu finden.

(Bild- und Textquelle: Goldmann)



Da man als Leser erstmal sehr in die Geschichte geworfen wurde, musste ich mich erstmal zurechtfinden. Des Weiteren sind die Sätze manchmal recht beschreibungslastig und schwer geschrieben und die Absätze sind recht sprunghaft. Ich empfand das Buch daher am Anfang als etwas sperrig.

Die Tagebucheinträge kamen mir tatsächlich zu kurz, von der Inhaltsangabe her hätte ich gedacht, dass diese öfters vorkommen.


Hannah ist ein schwieriger Charakter. Das ist an sich auch okay, eine Depression ist nicht leicht und jeder händelt so etwas anders. Depressive Menschen sind leider auch nicht immer leicht für ihre Umwelt. Hannah war mit leider jedoch zu oft zu weinerlich.  Ich kann verstehen, dass es schwer ist wieder zurück in eine gewisse Normalität zu finden, aber ich hätte mir gewünscht, dass sie sich nicht ganz so sperren würde. Sie weiß doch, dass sie Probleme hat und packt sie ja auch an. Hin und wieder hätte ihr etwas Positivität gutgetan.

Ohne zu viel zu verraten zu wollen, aber auch in diesem Buch gibt es einen potienziellen Love Interest. Ich finde es sehr schön, dass Hannah etwas Liebe in ihrem Leben zu bekommen scheint. Der Voranschritt dieses Austauschs ging mir jedoch viel zu schnell. Ich fand den Kontakt sehr schmalzig und bin der Meinung, dass sich jemand mit den Problemen von Hannah erstmal anfangen sollte sich selbst zu lieben und nicht jemand anderen.

Den Nebencharakter Beate finde ich hingegen gut. Die alte Dame hat echt Pfiff und könnte Hannah guttun und ihr helfen endlich mal etwas aus ihrem Schneckenhaus herauszukommen.


Auch ihre drei besten Freundinnen konnten mich gut unterhalten, denn sie brachten etwas Licht in Hannas dunkles Leben.

Je weiter die Geschichte fortschritt umso besser gefiel mir Hannahs positive Entwicklung, auch wenn sie erst sehr spät im Buch wirklich begann.

Besonders gut fand ich auch das Ende. Der Leser bekommt in Form eines kurzen Epiloges erzählt was einige Monate nach Ende der Geschichte aus Hannah geworden ist.


Ein Buch, das keinesfalls schlecht ist und eine Person vorstellt wie sie wieder zurück ins Leben findet. Mit Hannah und ihrem Selbstmitleid und ihrer Weinerlichkeit habe ich mich am Anfang sehr schwergetan, habe ihren Weg zurück zu sich selbst jedoch gerne verfolgt. Besonders die Szenen mit ihren Freundinnen gefielen mir gut. 
 


Freitag, 4. Mai 2018

[Rezension] The Ivy Years. Bevor Wir Fallen - Sarina Bowen



Seit einem Sportunfall ist Corey Callahan auf den Rollstuhl angewiesen, doch ihren Platz am renommierten Harkness College will sie auf keinen Fall aufgeben! Im Wohnheim trifft sie auf Adam Hartley – aus dem Zimmer direkt gegenüber. Corey weiß augenblicklich, dass sie das in Schwierigkeiten bringen wird: Denn auch wenn Corey sich von niemandem besser verstanden fühlt als von Adam und sie sich sicher ist, dass es ihm genauso geht – für sie beide gibt es keine Chance ...
(Bild- und Textquelle: Lyx)


Hin und wieder lese ich New Adult mal ganz gerne und gerade jetzt wo die Sonne rauskommt, kann ich mich nicht stundenlang in Thrillern und Co. verkriechen.

Und damit mir ein New Adult Roman wirklich gut gefällt, braucht es meistens aber auch mehr als das typische Good Girl - Bad Boy Szenario oder den heißen, reichen Millionär.

Sarina Bowens Hauptfiguren Corey und Adam sind beide definitiv hübsch anzusehen, aber sie sind auch beide gehandicapt: Corey sitzt im Rollstuhl, Adam hat ein gebrochenes Bein. Aus diesem Grund werden die Beiden in einem anderen Haus untergebracht und sind von den restlichen Studenten ziemlich abgeschnitten.

Ich fand es wahnsinnig spannend zu lesen wie die Protagonisten endlich mal etwas andere Herausforderungen meistern müssen und eine Verbindung entsteht, die anfangs nicht nur auf Äußerlichkeiten besteht. Beide sind sportlich begabt und teilen ihre Liebe zum Hockey. Dass Adam am Anfang eine absolut furchtbare und eklige Freundin hat, entschleunigt die ganze Sache auch noch einmal.

Ich muss sagen für ein New Adult Buch hat die Geschichte auch einige tiefgründige Passagen und die Sexszenen sind nicht überbordend eingebaut wurden. Ich persönlich fand die Szenen, in der Adam Corey etwas zum Geburtstag schenkt etwas zum Fremdschämen. Adam sagt zwar selber, dass er kein Schamgefühl hat, aber ich fand es unpassend.

 Mal abgesehen von der tussigen Freundin, fand ich die Freunde und Familie der Hauptcharaktere ziemlich toll. Coreys neue Mitbewohnerin ist ein heimlicher Nerd und lässt ihre neue Freundin im Rollstuhl sofort in ihr Herz. Adams Familie unterstützt sich wo sie kann und sogar die Uni Jocks haben überraschenderweise Tiefgang.

Der Schreibstil ist locker flockig leicht und der Schlagabtausch zwischen Corey und Adam ist einfach herzerwärmend. Die Geschichte wird aus der Perspektive von Beiden erzählt und der Leser erfährt genau was in ihren Köpfen vorgeht.

Sarina Bowen begeht mit diesem Buch neue Wege im New Adult Genre und ich bin ihr so dankbar dafür. Zwischendurch greift sie zwar auch fleißig in die New Adult Rührschüssel, heraus kam dabei aber immer noch ein tolles Buch, dem zwar noch etwas das gewisse Etwas fehlt, das mich aber für kurze Zeit sehr gut unterhalten hat.



Endlich, endlich mal ein New Adult Thema, das nicht schon hunderttausendmal aufgewärmt wurden ist. Sarina Bowen traut sich mit dem Thema Behinderung und Verletzung an eine neue Geschichte und die Rechnung ging auf! 
Ich bin gespannt auf die Folgebände der Reihe, denn auch diese werden "ungewöhnliche" Liebesgeschichte beinhalten. 
Corey und Adams Geschichte hat die Reihe gut vorbereitet und ich freue mich darauf herauszufinden, welches der Pairings mein liebstes werden wird.



Ich bedanke mich bei dem Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Samstag, 21. April 2018

[Rezension] Nachtwild - Gin Phillips



Es ist ein herrlicher Tag und Joan besucht mit ihrem vierjährigen Sohn Lincoln den Zoo – da hört sie plötzlich Schüsse. Am Ausgang sieht sie Tote auf dem Boden liegen. Sie weiß nicht, ob die Polizei unterwegs ist, ob der oder die Täter noch in der Nähe sind. Als weitere Schüsse fallen, flüchtet sie mit Lincoln in ein leer stehendes Gehege. Das Leben ihres Sohnes hängt jetzt allein von ihr ab und davon, ob sie einen Weg finden wird, sie beide zu retten. Jedes Geräusch, jede Bewegung kann tödlich sein. Sie muss Entscheidungen treffen und Dinge tun, die sie nie für möglich gehalten hätte.
(Bild- und Textquelle: dtv premium


Beinahe wöchentlich sprudeln die Medien über mit Berichterstattungen zu Amokläufen. Eigentlich will man das ja alles gar nicht mehr sehen, aber die Menschen können einfach nicht anders als bei Tragödien ganz genau hinschauen zu wollen.

Dieses Buch hätte nicht nur die Sensationsgeilheit der Menschen etwas stillen können, es hätte sie auch zum Nachdenken bringen können, denn das Thema Waffengewalt ist mit der "March for Our Lives" Bewegung besonders in Amerika, wo das Buch spielt, so präsent wie nie zuvor.

Das Buch fängt gut an. Der Leser wiegt sich an einem schönen Tag im Zoo in Sicherheit und Geborgenheit und sitzt auf heißen Kohlen und erwartet den Verlust des Urvertrauens in die Menschheit und den Kampf um Leben von Mutter und Sohn.

Und sofort stellte ich den ersten großen Knackpunkt für mich fest: die Geschichte wird aus Sicht der Protagonistin erzählt und diese schweift mit ihren Gedanken einfach unheimlich viel ab. Unter diesen Gedanken sind dabei relativ wenig Ängste um ihren Sohn und sich selbst zu finden, sie findet sich eher in Metaphern und Vergangenheitserinnerungen wieder. Dadurch wurde ich regelmäßig aus der Spannung genommen.

Da der Roman nur an einem einzigen Abend spielt, kann ich verstehen, dass Seiten gefüllt werden wollen, aber mir wäre ein kürzerer Roman lieber gewesen, wenn Ängste besser hervorgekommen wären. Joan und ihr Sohn verstecken sich einen Großteil des Romans über, was Sinn macht, aber leider nicht sonderlich spannend ist. In diesen ausharrenden Momenten hätte ich lieber eine stärkere Bindung zwischen Mutter und Kind miterlebt, als nur Joans Gedanken zu anderen Dingen.


Der Sohn ist für sein Alter von 4/5 Jahren schon sehr reif und er verhält sich fast mustergültig. Bis auf die Tatsache, dass er einmal sehr hungrig war, hat er sich fast nie beschwert, nie gemurrt und immer lieb gemacht was die Mama von ihm wollte.
Und die Mama, die macht Dinge, die nicht ganz nachvollziehbar sind und einen den Kopf schütteln lassen.


Dadurch, dass die beiden den Großteil der Geschichte alleine sind, gibt es auch nur wenig Konversation. Im Laufe der Geschichte finden sie zwei weitere Überlebende und der Austausch mit diesen gehört zu meinem Lieblingsteil im Buch. Endlich kam etwas Spannung für mich auf und durch den Teenager und die Rentnerin verspürte ich endlich etwas Panik.

Um noch etwas Positives zu erwähnen: der Schreibstil war wirklich gut. Die Sätze waren kurz und sehr flüssig zu lesen und nur ausufernde Gedankengänge habe ich etwas überfliegend gelesen.

Das Ende kam total übereilt und lässt den Leser mit viel zu vielen Fragen zurück. Was waren die wirklichen Beweggründe für den Amoklauf? Was wurde aus Person A,B, C?  Ich schlug das Buch zu und fragte mich nur: "Das war's?" 



Ich sage es mal ganz hart: den Großteil der Geschichte war es mir relativ egal ob Mutter und Sohn aus dem Zoo entkommen, denn die Emotionen, die Spannung und die Urangst sein Kind zu verlieren, kommen einfach viel zu kurz.
Das Buch hat so ein aktuelles Thema als Grundlage und hätte so bewegend und spannend sein können, das war es aber leider gar nicht.